Die georäumliche Darstellung historischer Daten ist besonders herausfordernd, da Quellen häufig lückenhaft und unsicher sind. Gleichzeitig erfordert die historische Forschung eine präzise Repräsentation zeitlicher und räumlicher Ereignisse, selbst bei vorhandenen Datenlücken, um komplexe Fragestellungen fundiert beantworten zu können.
Bestehende kartographische Ansätze beschränken sich meist auf einfache Datenbankabfragen und die anschließende Visualisierung aggregierter Daten auf georeferenzierten historischen Karten. Es gibt allerdings eine Reihe methodischer Probleme – beispielsweise können bei der Überlagerung dieser Daten auf ungeeigneten historischen Hintergrundkarten Fehlinterpretationen historischer Gegebenheiten entstehen. Zudem werden Datenrelationen häufig nicht oder nur oberflächlich berücksichtigt, während Unsicherheiten und Datenlücken weitgehend unberücksichtigt bleiben, was verzerrte Interpretationen und fehlerhafte Schlussfolgerungen zur Folge haben kann.
Das Teilprojekt Geovisualisierung im Rahmen des Langzeitvorhabens NS-Verfolgung und Musikgeschichte an der Akademie der Wissenschaften Hamburg, in Kooperation mit der Hafen-City Universität Hamburg, zielt darauf ab, sämtliche historischen Datenzusammenhänge aus der Verfolgung von Musikerinnen und Musiker durch das NS-Regime und deren musikgeschichtliche Konsequenzen geovisuell zu rekonstruieren. Mittels Storytelling werden histori-sche Ereignisse und komplexe Datenrelationen sichtbar und analytisch erfassbar. Gleichzeitig werden innovative Methoden entwickelt, um Unsicherheiten und Lücken in den Quellen präzise abzubilden und so die Nachvollziehbarkeit, Validität und Aussagekraft der historischen Analyse deutlich zu erhöhen.